Zurück

Ironman Barcelona 2026

Ironman Barcelona

Barcelona, Spanien · 5. Oktober 2025

*IRONMAN Barcelona – Ein Rennen zwischen Schmerz, Stolz und Durchhaltewillen* Die letzten Wochen vor dem Ironman Barcelona liefen alles andere als rund. Auf der Arbeit hatte ich massiven Stress, der kaum Raum für Regeneration oder mentale Vorbereitung ließ. Mein ursprünglicher Plan war, die Anreise entspannt in zwei Etappen zu machen – Donnerstagabend loszufahren, unterwegs zu übernachten und am Freitag den Rest bis Barcelona zu fahren. Doch auch das kam anders. Erst am Freitagvormittag konnte ich starten, und nach knapp 1500 Kilometern kam ich gegen 23 Uhr in Barcelona an – erschöpft, aber froh, es geschafft zu haben. Am nächsten Tag zeigte sich die Belastung deutlich: meine Herzfrequenzvariabilität war im Keller, der Körper müde. Das Carbo-Loading am ersten Tag funktionierte hervorragend – rund zehn bis zwölf Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht. Doch am zweiten Tag war mein Magen wie zugeschnürt. Eine Schüssel Reis war zu viel, und nur mit Mühe und Carbo-Loader konnte ich die Speicher einigermaßen auffüllen. Die größte Herausforderung aber war die Ernährungsplanung für den Wettkampf. Wegen der gereizten Bauchspeicheldrüse musste ich komplett auf Gels verzichten – ein Albtraum für die Energiebilanz über so viele Stunden. Alles, was ich zu mir nehmen konnte, war aufgelöstes Pulver, das ich vorher zubereiten musste. Entsprechend begrenzt war die Kohlenhydratmenge, die ich überhaupt transportieren konnte. *Schwimmen – Freude im Chaos der Wellen* Vor dem Schwimmstart trank ich ein kleines Fläschchen Carbo-Loader mit etwa 40 Gramm Kohlenhydraten. Dann ging es los. Schon beim Sprung ins Wasser spürte ich die Aufregung – aber auch große Freude. Das Meer war wild, wellig, auf dem Rückweg stellenweise mit über einem Meter hohen Wellen. Trotzdem fand ich schnell meinen Rhythmus. Zum ersten Mal in meinem Leben schwamm ich eine Langdistanz im Meer – und es lief erstaunlich ruhig. Einmal verschluckte ich mich heftig, begann zu husten und spürte deutliche Schmerzen im rechten Oberbauch – ein kurzer Schreckmoment. Doch nach etwas Wasser, welches mir ein Jetski nach Zuruf brachte, legte sich das. Sogar die Übelkeit vom Salzwasser verschwand. Ich war stolz, dass ich die gesamte Schwimmdistanz konstant und ohne Panikattacke bewältigte. Ergebnis: 1h32min3sec / 2:25min/km *T1 – Durchatmen und sammeln* In der Wechselzone nahm ich mir bewusst Zeit. Ich wollte runterkommen, mich auf das Radfahren konzentrieren. Mir war klar: jetzt beginnt der Teil, der über den Tag entscheiden würde. *Radfahren – Gegenwind, Höhenmeter und Energielöcher* Für das Radfahren hatte ich etwa 270 Gramm Kohlenhydrate vorbereitet – fast alles in flüssiger Form. Zwei große Flaschen mit Long Energy, eine kleinere Menge zusätzlich im Torpedo, dazu eine Packung Energy Gummies von Sponser. Doch schon bald zeigte sich: die Strecke war härter als erwartet. Statt 700 Höhenmetern insgesamt zeigte mein Boardcomputer 700 pro Runde – nach 90 Kilometern! Die wellige Strecke und wechselnde Windbedingungen kosteten Kraft. Nach etwa anderthalb Stunden bekam ich erneut Schmerzen im rechten Oberbauch, nachdem ich rund einen Liter meines vorbereiteten Kohlenhydratgetränks konsumiert hatte. Sofort kamen die Erinnerungen an das Schwimmen und die gereizte Bauchspeicheldrüse hoch, und das Laufen stand noch bevor. Doch nach kurzer Zeit nahm ich an einer der Versorgungsstationen eine Wasserflasche, die kein Leitungswasser enthielt – und zu meiner Überraschung verschwanden die Schmerzen vollständig. Ab da lief es wieder deutlich flüssiger. Nach drei Stunden merkte ich, wie die Beine dennoch schwer wurden. Ich musste die Leistung deutlich reduzieren. Der ursprünglich angepeilte Radsplit von 4:30h rückte etwas in die Ferne. Trotzdem blieb ich fokussiert – ich wollte solide absteigen und wenigstens noch Reserven fürs Laufen haben. Ergebnis: 4h42min29sec / 38.11km/h *Laufen – Der Marathon wird zur Bewährungsprobe* Der Marathon begann unerwartet gut. Ich lief anfangs bewusst defensiv an, zwischen 6:00 und 6:30 min/km, und fand danach schnell in einen Rhythmus um die 5:15 min/km. Ich fühlte mich erstaunlich frisch – für etwa 15 Kilometer. Doch die Verpflegung auf der Strecke war eine Enttäuschung: chloriertes Leitungswasser ohne Elektrolyte, und keine verträglichen Kohlenhydratquellen für mich. Also griff ich zu Bananen und Orangen, später auch zu Cola. Durch meine Special-Needs-Tüte hatte ich mir u.a. eine Packung Energy Gummies gesichert – mein kleiner Rettungsanker. Aber der Energiemangel aus dem Radfahren ließ sich nicht mehr aufholen. Ab der dritten Laufstunde begann der Körper zu kämpfen. Die Beine wurden schwer, der Kopf müde. Meine Augen fielen permanent zu und ich kämpfte gegen das Einschlafen im Laufen, gegen das Schwarzwerden vor den Augen. Ein 200 mg Koffein-Shot half kaum – außer Durchfall und einem Toilettengang. Doch er brachte keine Energie zurück. Die Pace fiel nach km 30 langsam von 5er auf 6er und schließlich auf 7 Minuten. Ich wollte nur noch ankommen. Und das tat ich. *Zieleinlauf – Schmerz vergeht, Stolz bleibt* Beim Zieleinlauf läutete ich die Glocke – ein Moment purer Emotion. Ich war völlig leer, aber glücklich. Danach flog ich über die Finisher-Gerade bis ins Ziel! Im Finisher-Zelt war mir eiskalt, der Körper ausgelaugt, und selbst Essen oder Trinken ging nicht mehr. Doch in diesem Moment war mir das egal. Ich hatte mich durchgekämpft. Trotz Stress, Schlafmangel, Verdauungsproblemen, trotz jeder Einschränkung. Pain is temporary – but glory stays forever. *Fazit* Der IRONMAN Barcelona war für mich kein perfektes Rennen, es war sogar weit entfernt davon. Aber es war vielleicht das ehrlichste, das ich je erlebt habe. Ein Tag, an dem ich gelernt habe, was es heißt, wirklich durchzuhalten. Nicht, weil alles glattläuft – sondern gerade, weil es das nicht tut.